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Gebärdensprachdolmetscher


Gebärdensprache bedeutet mit den Augen zu hören und mit den Händen zu sprechen. (arte)


Allgemein


Die Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher bzw. zur Gebärdensprachdolmetscherin ist aus meiner Sicht eine der interessantesten und abwechslungsreichsten Möglichkeiten, in Kontakt mit sinnesbeeinträchtigten Menschen zu treten. Gebärdensprache ist eine sehr emotionsreiche und ausdrucksstarke Sprache und die Kommunikation mit den Händen besitzt zahlreiche Facetten.


Zugangsvoraussetzungen


Zugangsvoraussetzung zum Gebärdensprachdolmetscher in Form einer nebenberuflichen Ausbildung ist zunächst lediglich der Abschluss der 10. Klasse. In Sachsen-Anhalt wird die Ausbildung mittels Kurssystem im Rahmen von Abendstunden abgehalten. Diese Möglichkeit bietet die Landesdolmetscherzentrale für Hörgeschädigte in Halle/ Saale. Des Weiteren können Kenntnisse in der Gebärdensprache an der Volkshochschule in Jena erworben werden. Hier ist allerdings kein Abschluss möglich, da nur vier von notwendigen sechs Kursen angeboten werden. Wer Gebärdensprachdolmetscher/in werden möchte, muss vorrangig sehr kontaktfreudig sein, auf fremde Menschen zugehen können und hohes Interesse für die Kultur von Gehörlosen mitbringen.


Inhalte


Die Inhalte der Ausbildung zum Gebärdensprachdolmetscher werden in der Regel von einem gehörlosen Lehrer vermittelt. In sechs Semesterkursen (drei Jahre) werden neben den theoretischen Stunden auch praktische Erfahrungen als Zugangsvoraussetzung zur Prüfung pflichtig gemacht. Die Ausbildung vermittelt vom Erlernen des Daktylalphabets, den technischen Hilfen für Gehörlose und den ersten einfachen Sätzen in Gebärdensprache im ersten Semester bis hin zum Simultanübersetzen ganzer Texte, fließender Unterhaltung in Gebärdensprache und dem Erwerb von fachspezifischen Vokabeln im sechsten Semester einen sehr vielfältigen Einblick in die Welt der Gehörlosen.


Die sich anschließende Hauptprüfung wird von einem gehörlosen Komitee durchgeführt und besteht aus einem schriftlichen und mündlichen Teil. Im ersteren werden Kenntnisse über Kultur und Lebensweise von Gehörlosen, Dolmetschertechniken und Verhaltensweisen von Gebärdensprachdolmetschern geprüft. Der mündliche Teil umfasst verschiedene Dialoge mit Gehörlosen, das Voicen einer Unterhaltung in Gebärdensprache und die Simultanübersetzung eines Textes in Gebärdensprache. Auch nach einem erfolgreichen Abschluss gilt wie bei allen Sprachen: "Learning by doing".


Perspektiven


Wem eine Ausbildung zu gering erscheint, hat die Möglichkeit den Diplomstudiengang Gebärdensprachdolmetscher/in z.B. in Magdeburg oder Hamburg zu belegen. Ab dem Jahr 2003 ändern sich zudem die jetzigen Bestimmungen für alle unter das Dolmetschergesetz fallenden Berufstätigen und eine staatliche Prüfung wird für alle bisher ausgebildeten Gebärdensprachdolmetscher/innen zum Jahr 2005 hin notwendig. Diplomierte Gebärdensprachdolmetscher/innen sind von diesem Reglement ausgeschlossen.


Wer Interesse an einer der Rehabilitationskliniken für Gehörlose in Deutschland hat, in denen das Personal (Sporttherapeuten, Physiotherapeuten, Krankenschwestern, Psychologen) Gebärdensprache beherrscht, kann Anschriften per Email-Anfrage erhalten.


Interessante Artikel und Informationen rund um die Thematik Gehörlose und Gebärdensprache bietet die Seite www.taubenschlag.de.